DIE STIFTERIN
DR. BARBARA MEZ-STARCK

1998 wurde die Stiftung von Frau Dr. Barbara Mez-Starck gegründet, der sie bis zu ihrem Lebensende im Jahr 2001 vorstand. Die Stiftung fördert insbesondere an der Universität Ulm die Arbeitsgruppe Chemieinformationssysteme (vormals Sektion Spektren- und Strukturdokumentation), die sie bis zur ihrer Pensionierung leitete und mit der sie zeitlebens eng zusammenarbeitete.

Ihr Lebenswerk, die Schaffung eines modernen Informationssystems für die Strukturchemie und Molekülphysik kleiner Moleküle, wird durch die Arbeitsgruppe weiter fortgesetzt.

FAMILIE

Barbara Mez-Starck entstammt einer wohlhabenden Industriellenfamilie. Ihr Vater, Hermann C. Starck, war ein einflussreicher Chemiefabrikant, der 1920 eine Firma für Metallverarbeitung gründete und bald Zweigwerke im In- und Ausland besaß.

Zu Hermann C. Starcks Freunden zählten der 1922 ermordete Reichaußenminister Walther Rathenau und Maler wie Eugen Spiro. So förderte er Künstler, Autoren und andere Kulturschaffende. Während des Dritten Reiches gelang es ihm, seine Frau Klara, die Tochter ungarischer Juden, und seine beiden Kinder Barbara und Gerhard vor dem Zugriff des Naziregimes zu bewahren. Er hielt nicht nur seine schützende Hand über viele seiner Betriebsangehörigen, sondern stellte sogar Mitte der 1930er Jahre Mitarbeiter ein, die von den Nationalsozialisten verfolgt wurden.

Ein Großteil des Vermögens ging 1974 nach Hermann C. Starcks Tod auf seine beiden Kinder Gerhard und Barbara über. Gerhard C. Starck arbeitete bis zu seinem Tod im Jahr 2000 als Rechtsanwalt in Düsseldorf; seine Alleinerbin war seine Ehefrau Renate Starck-Oberkoxholt, die das Vermögen der von ihr gegründeten Gerhard C. Starck-Stiftung vermachte.

Dr. Barbara Mez-Starck, die an der Universität Ulm die Sektion Spektren- und Strukturdokumentation leitete und seit 1974 mit Erwin James Mez verheiratet war, gründete 1998 ihre eigene Stiftung. Nach ihrem Tod (2001) und dem ihres Ehemannes (2003) wurde die Stiftung Alleinerbe des verbleibenden Vermögens.

JUGEND

Am 6. Januar 1924 wurde Barbara Starck in Berlin geboren. Gemeinsam mit ihrem jüngeren Bruder Gerhard verbrachte sie eine glückliche Jugend in Potsdam, nur einen Steinwurf vom Schloß Cecillienhof entfernt.

Beide Geschwister blieben ihr Leben lang eng verbunden. Je erfreulicher ihre frühste Jugend auch war, desto schrecklicher erscheinen die folgenden Jahre im Dritten Reich in Berlin.

Nach dem Abitur begann sie im März 1942 an der Universität Freiburg ihr Chemiestudium, das sie wegen der Nazi-Rassengesetze nach nur einem Semester abbrechen musste. Fast alle Angehörige mütterlicherseits wurden in Auschwitz getötet; nur Barbara, ihre Mutter, ihr Bruder und ein Onkel überlebten. Bis zum Kriegsende arbeitete Barbara Starck als Laborhilfe in einer Chemiefabrik in Goslar, wo sie Metallanalysen durchführte.

AUSBILDUNG

1946 nahm Barbara Starck ihr Chemiestudium an der Universität Göttingen wieder auf. In jener Zeit mussten viele Studentinnen unter frauenfeindlichen Bedingungen studieren – einem Relikt der im Dritten Reich vorherrschenden Haltung. Nur wenige Frauen konnten sich an den Universitäten behaupten, darunter auch Barbara Starck. Nach der Vordiplomsprüfung wechselte sie 1948 an die Universität Freiburg, wo sie 1952 bei Prof. Reinhard Mecke im Physikalisch-Chemischen Institut ihre Diplomarbeit anfertigte.

1959 beendete Barbara Starck in demselben Institut ihre Doktorarbeit zum Thema „Über die Wirkung von Substituenten auf die Intensität infraroter Absorptionsbanden von Schwingungen des Phenylenkernes disubstituierter Benzolderivate“.

WIRKEN IN FREIBURG

Nach der Promotion im Jahre 1959 schloss sich Dr. Barbara Starck Prof. Wilhelm Maiers Forschungsgruppe als Assistentin an, zuerst im Physikalisch-Chemischen Institut und dann ab 1962 im Physikalischen Institut der Universität Freiburg. Immer wieder bat Prof. Maier seine Assistentin, ihm die neueste Literatur zur Mikrowellenspektroskopie ausgesuchter Substanzklassen für seine Vorlesungen zusammenzustellen. Schließlich entschied sich Dr. Barbara Starck, die Daten systematisch für alle Substanzklassen zu sammeln. Schnell wurden Besucher der Universität Freiburg auf diese einmalige Datensammlung aufmerksam und waren so begeistert, dass sie nach Kopien und Aktualisierungen dieser Zusammenstellungen fragten. Dies war der Beginn des Mikrowellenkataloges und somit der Grundstock für die Spektren- und Strukturdokumentation. Dutzende spektroskopischer Arbeitsgruppen in der Welt benutzen noch immer diesen Katalog, der von vielen Nutzern auch liebevoll als "Starck-Bibliographier" bezeichnet wird.

Nach Prof. Maiers plötzlichem Tod 1964 blieb Dr. Barbara Starck in der mikrowellenspektroskopischen Gruppe im Physikalischen Institut, die nun von Prof. Helmut Dreizler und Prof. Heinz-Dieter Rudolph gemeinsam geleitet wurde.

Ungefähr zu dieser Zeit wurde Dr. Barbara Starck eingeladen, eine kritisch bewertete Sammlung mikrowellenspektroskopischer Daten für die Landolt-Börnstein-Serie zu schreiben. Der erste Band (LB II/4) wurde 1967 gedruckt. 1974 erschien ein Ergänzungsband (LB II/6), den sie mit weiteren renommierten Koautoren verfasste. Zwei Landolt-Börnstein-Bände (LB II/7 und LB II/15), in denen die Strukturen freier polyatomiger Moleküle mittels Mikrowellenspektroskopie oder Gasphasenelektronenbeugung zusammengestellt wurden, entstanden in enger Zusammenarbeit mit Dr. Starck. Jeder, der sich an dieser Mammutarbeit beteiligt hat, weiß, wie viel Energie und Zeit erforderlich ist. Rudolf Mutter, ihr langjähriger wissenschaftlicher Mitarbeiter in Freiburg und später in Ulm, berichtete, dass die Lampen in ihrem Büro bis zum frühen Morgen brannten. Zwei Landolt-Börnstein-Bände LB II/19d3 und LB II/25A wurden Frau Dr. Starck als Begründerin dieser wertvollen und oft genutzten Landolt-Börnstein-Serie gewidmet.

WIRKEN IN ULM

Während der Planungsphase in den 1960er Jahren für die Gründung der Universität Ulm schlug Prof. Werner Zeil als Gründungsprofessor die Errichtung einer „Sektion Spektren- und Strukturdokumentation“ vor. 1969 wurde Dr. Barbara Starck als Leiterin dieser neuen Einrichtung berufen.

Zu dieser Zeit begann Dr. Barbara Starck eine enge Kooperation mit der CODATA (Committee on Data for Science and Technology), einer Unterorganisation der UNESCO. Seit Anfang der 1970er Jahre wurden Frau Starcks Aktivitäten auf dem Gebiet der elektronischen Fachinformation durch die Bundesregierung über die „Zentralstelle für Atomkernenergie-Dokumentation“ in Karlsruhe finanziell unterstützt. Diese bundeseigene Dokumentationsstelle wurde später in „Fachinformationszentrum Physik“ umbenannt.

Während der Entwicklung der elektronischen Datenbank MOGADOC (Molecular Gasphase Documentation) erlitt Dr. Starck einen Schlaganfall, von dem sie sich nicht mehr vollständig erholen konnte. Offiziell ging sie 1987 in Ruhestand und arbeitete weiterhin bei den Updates ihres Mikrowellenkataloges und der MOGADOC-Datenbank mit. Trotz Lungenkrebs hat sie bis wenige Tage vor ihrem Tod die neueste Literatur für den Mikrowellenkatalog und die Datenbank ausgewertet. Am 25. Mai 2001 starb sie in ihrem Heim in Freiburg.

Sie hinterließ ihren Ehemann Erwin James Mez, mit dem seit 1974 verheiratet war und der knapp zwei Jahre später auch verstarb. 1998 hat Dr. Barbara Mez-Starck eine Stiftung gegründet, die ihr Lebenswerk in der elektronischen Fachinformation sichern und fortentwickeln soll. Das kinderlose Ehepaar hat die Stiftung als Alleinerben eingesetzt.

LITERATUR

Weiterführende biographische Literatur:

J. Vogt und N. Vogt: Ein Leben für die wissenschaftliche Fachinformation. Gestorben: Dr. Barbara Mez-Starck. Uni Ulm intern 31 (2001) 27-28.

J. Vogt und N. Vogt: Barbara Mez-Starck (1924-2001), Structural Chemistry 14(2) (2003) 133-135.

W. Hüttner und K. Kuchitsu: Barbara Mez-Starck - A Lifetime of Devotion to Scientific Documentation, Structural Chemistry 14(2) (2003) 135-136.

M. Kamp und F. Neumann: Barbara Mez-Starck - Ein Leben für die Wissenschaft. August Dreesbach Verlag, München, 2010, 207pp.